|
Leseprobe Nach seinem Rückzug aus dem Berliner Literaturbetrieb wurde Robert Walser das Spazierengehen zu einer regelrechten Passion. Er erklärte es wie folgt: Für die meisten Menschen ist das Spazierengehen eine Form der Freizeitgestaltung und Erholung. Bei mir wurde es zu einer ‚Konstante meines Lebens’. Dafür gibt es viele Gründe. Schon in meiner Jugend liebte ich das Wandern, suchte die Begegnung mit der Natur und scheute mich nicht vor großen Entfernungen. Ich hatte stets ein nahes Verhältnis zur Natur. Dieses wurde durch frühe Wanderungen ausgeprägt. Die Umgebung meiner Geburtsstadt bot mir für Spaziergänge eine Fülle von Möglichkeiten. Später führten häufige Stellen- und Wohnungswechsel dazu, dass ich mir meine neuen Umgebungen vertraut machen musste. Ich ging einer Anstellung nur so lange nach, bis ich genügend Geld hatte, um einige Zeit lang als Dichter zu leben. Dieses ‚Nomadenleben’ führte ich zehn Jahre lang. Mit einer Reise nach Berlin, wo ich längere Zeit blieb, änderte sich mein Lebensstil und ich war nunmehr fest entschlossen, nur noch ausschließlich von meiner Prosa zu leben, was mir auch mehr schlecht als recht gelang. Vielleicht kann man sagen, dass die ‚Spaziergänger-Thematik’ in gewisser Weise sein gesamtes Werk durchzieht und insofern ständig einen ‚Bedeutungszuwachs’ erfährt und schließlich zu einem ‚Leitmotiv’ seines Schreibens geworden ist.
|
